Die Spülmaschine als Produktivitäts-Booster: Wie kleine Aufgaben Deine Motivation pushen können

 Seit Wochen stand es auf meiner To-Do-Liste: Ein Beitrag für die Festschrift meiner Doktormutter. Eine Aufgabe, die mir eigentlich am Herzen liegt, und doch fand ich mich immer wieder bei anderen Tätigkeiten. Dann, als mal wieder gar nichts ging, stand ich einfach auf und räumte die Spülmaschine aus. Wenn ich schon nicht schreibe, dann kann ich wenigstens etwas anderes Produktives machen, dachte ich. Und während ich das Besteck sortierte, flossen plötzlich die Ideen… Als ich wieder am Schreibtisch saß, war ich fokussiert und produktiv und hatte innerhalb kurzer Zeit mehr geschafft als in den Tagen zuvor. Was war passiert?

Kleine Aufgaben als Türöffner

Was hat das Ausräumen einer Spülmaschine mit größeren, komplexeren Aufgaben zu tun? Forschungen zeigen, dass die Überwindung einer kleinen Hürde oft der Schlüssel sein kann, um ins Handeln zu kommen.

Andrew Huberman, Professor an der Stanford University, erklärt in seinem Podcast, dass einfache, abgeschlossene Handlungen unser Gehirn auf besondere Weise aktivieren. Jede bewusste Anstrengung — auch eine kleine wie das Ausräumen der Spülmaschine — setzt Botenstoffe frei, die uns für weitere Aufgaben motivieren. Diese kleinen Erfolge steigern schrittweise unsere Grundmotivation.

Es entsteht ein positiver Schwung: Das Erledigen kleiner Aufgaben macht es einfacher, größere anzugehen, weil wir bereits im „Handlungsmodus“ sind und Widerstände überwunden haben.

 

Drei praktische Strategien, um besser ins Tun zu kommen

Aber wie kannst du das für deine eigene Arbeit einsetzen? Hier sind drei Methoden, die du ausprobieren kannst:

  1. Die Zwei-Minuten-Methode

Diese Methode eignet sich perfekt für akute Motivationsblockaden und Momente, in denen du einfach nicht in Gang kommst. Sie aktiviert durch bewusste, kurze Handlungen unser Belohnungssystem und schafft einen sanften Übergang zur eigentlichen Aufgabe. Die von Hubermans Erkenntnissen inspirierte Methode ist einfach umzusetzen:

  • Schritt 1: Wähle eine einfache, körperliche Mini-Aufgabe (z. B. Stifte ordnen, einen Kaffee zubereiten, die Pflanzen gießen)
  • Schritt 2: Führe sie etwa zwei Minuten lang aufmerksam aus.
  • Schritt 3: Mach eine kurze Pause, atme tief durch und sage dir: „Das habe ich erledigt.“ Danach kannst Du direkt zu Methode 2 übergehen oder einfach mit Deinen normalen Aufgaben weitermachen
  1. Die „Small Wins“-Strategie

Die Psychologin Teresa Amabile fand heraus, dass tägliche kleine Erfolge unsere emotionale Widerstandsfähigkeit und Problemlösungsfähigkeit stärker beeinflussen als seltene große Projekte:

  • Teile komplexe Projekte in minimale Einheiten (ein Telefonat führen, eine E-Mail beantworten, einen Absatz schreiben).
  • Setze dir für den Anfang ein Zeitlimit von 5 Minuten für die eigentliche Aufgabe.
  • Mach dir diese kleinen Fortschritte bewusst.
  1. Die Prokrastinationsleiter

Wenn du auch mit den beiden oben genannten Methoden nicht ins Tun kommst, dann probiere es dich einmal hiermit. Diese strukturiertere Methode ist für starke Blockaden geeignet, wenn du dich komplett festgefahren und überfordert fühlst. Im Unterschied zur Zwei-Minuten-Methode bietet sie einen klar definierten mehrstufigen Prozess und beginnt mit bewusster Entspannung. Sie nutzt außerdem die Kraft der Entscheidung zwischen Alternativen, was die Handlungsbarriere weiter senkt. Typische Einstiegsaufgaben sind hier noch niedrigschwelliger: ein Glas Wasser holen, den Schreibtisch von Krümeln befreien, einen Stift spitzen oder eine Fensterscheibe abwischen – also wirklich minimale Aktionen, die fast keine Überwindung kosten.

Dabei kombiniert die Prokrastinationsleiter mehrere psychologische Mechanismen: Die Atemübungen reduzieren zunächst die Stressreaktion und aktivieren das parasympathische Nervensystem. Die Mikro-Entscheidung zwischen zwei einfachen Optionen gibt dir ein Gefühl der Kontrolle zurück und umgeht den „Entscheidungsparalyse-Effekt“. Die minimale Handlung erzeugt dann einen ersten kleinen Erfolg, der dir zeigt: „Ich kann handeln.“ Dieser schrittweise Prozess baut sanft eine Brücke von der Inaktivität zur Handlungsfähigkeit.

Die Schritte sind:

  1. Vorbereitung: Drei tiefe Atemzüge
  2. Kleine Entscheidung: Wähle zwischen zwei einfachen Aufgaben (z. B. ein Glas Wasser holen vs. einen Stift anspitzen)
  3. Ausführung: Maximal 2 Minuten für die gewählte Aufgabe
  4. Übergang: Beginne direkt mit einem kleinen Teil deiner eigentlichen Herausforderung (z. B. einem Small Win aus Methode 2)

Wie und wo kannst du diese Methoden im Alltag anwenden?

  • Beim Schreiben wissenschaftlicher Texte: Nach dem Ordnen der Literatur ein einziges Zitat in deinen Text einfügen oder eine Überschrift formulieren
  • Bei der Datenanalyse: Nach dem Aufräumen des Labortisches eine erste Variable definieren oder ein einzelnes Diagramm beschriften
  • Bei komplexen Forschungsanträgen: Nach dem Sortieren deiner Notizen ein einziges Projektziel konkretisieren
  • Bei Peer-Review-Feedback: Nach dem Bereinigen deines E-Mail-Postfachs einen einzigen Kommentar durchlesen und einen ersten Gedanken dazu notieren
  • Bei Lehrtätigkeiten: Nach dem Vorbereiten des Präsentationsequipments ein einziges Lernziel formulieren
  • Bei der Literaturrecherche: Nach dem Organisieren deines Schreibtisches einen einzigen Suchbegriff festlegen

Diese praktischen Beispiele zeigen: Mit der passenden Einstiegsmethode kannst du den berüchtigten „ersten Schritt“ fast unmerklich nehmen. Die kleinen Aufgaben fungieren wie ein sanfter Schubser, der die Lawine ins Rollen bringt – ohne dass es sich nach einem großen Kraftakt anfühlt. Der Trick liegt darin, die Schwelle so weit zu senken, dass der Widerstand unseres Gehirns überwunden wird.

Allerdings ist bei diesen Methoden auch Vorsicht geboten:

    Fallstricke vermeiden

    Vorsicht: Kleine Starteraufgaben sollten nicht selbst zur Prokrastination werden! Wer dazu neigt, sich mit Hausarbeit oder anderen Nebensächlichkeiten von den eigentlichen Aufgaben abzulenken, kennt das Problem: Manchmal fühlt man sich beschäftigt und produktiv (etwa durch stundenlangen Hausputz oder endloses E-Mail-Sortieren), geht aber die wichtigen Prioritäten nicht an.

    Diese Pseudoproduktivität ist eine besonders raffinierte Form der Vermeidung – sie gibt uns das gute Gefühl, etwas geleistet zu haben, während wir in Wirklichkeit vor der eigentlichen Herausforderung ausweichen.

    Ein bewährter Tipp: Nach maximal drei kleinen Aufgaben gleich zu einer wichtigen Tätigkeit übergehen. Die kleinen Aufgaben sollten das Sprungbrett sein, nicht das Ziel selbst.

    Fazit: Handlung vor Motivation

    Die Forschung bestätigt, was Huberman so treffend formuliert: „Action precedes motivation, not the other way around.“ Der Schlüssel zur Überwindung von Prokrastination liegt nicht darin, auf Motivation zu warten, sondern in der Erkenntnis, dass selbst kleine, scheinbar unwichtige Handlungen uns in den Zustand versetzen können, größere Aufgaben anzugehen.

    Die nächste Motivationsblockade könnte also der ideale Zeitpunkt sein, kurz den Schreibtisch zu sortieren oder – wie in meinem Fall – einfach die Spülmaschine auszuräumen. Unser Gehirn wird es uns danken, wenn wir uns danach unseren wichtigeren Aufgaben zuwenden.

    Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Welche kleinen Aufgaben helfen dir, in den Produktivitätsflow zu kommen? Teile deine Gedanken in den Kommentaren!

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