Deine wissenschaftliche Geschichte neu schreiben: Ein persönlicher Weg zu mehr Selbstvertrauen

Als Wissenschaftler:in verbringst du unzählige Stunden damit, deine Forschungsarbeiten zu überarbeiten, Methoden anzupassen und Theorien zu verfeinern. Doch wie oft nimmst du dir die Zeit, die Geschichten zu überdenken, die du über dich selbst als Forschende:r erzählst?

Die Macht deiner inneren Dialoge

Sei ehrlich: Du kennst sicher diese Momente des Zweifels. Vielleicht klingen einige dieser Gedanken vertraut:

  • „Bin ich wirklich qualifiziert genug für dieses Forschungsprojekt?“
    „Meine letzte Publikation wurde abgelehnt. Vielleicht bin ich einfach nicht gut genug.“
    „Alle anderen scheinen so viel mehr zu wissen als ich.“

Diese inneren Dialoge sind nicht nur persönlich belastend – sie können auch deine wissenschaftliche Arbeit beeinträchtigen. Aber was wäre, wenn du die Fähigkeit, die du täglich in deiner Forschung einsetzt – das kritische Hinterfragen und Neuformulieren von Ideen – auf dein Selbstbild anwenden würdest

Von der Hypothese zur Neuinterpretation

Stell dir vor, du behandelst diese negativen Selbstgespräche wie eine wissenschaftliche Hypothese, die es zu überprüfen gilt. Lass uns einige dieser Gedanken umformulieren:

  1. „Dieses Forschungsprojekt ist eine Chance, meine Fähigkeiten zu erweitern und Neues zu lernen.“
  2. „Jede Ablehnung ist ein Schritt näher zur Verfeinerung meiner Arbeit. Die großen Durchbrüche kamen oft nach vielen Rückschlägen.“
  3. „Meine einzigartige Perspektive ist wertvoll. Die Vielfalt der Ansätze treibt die Wissenschaft voran.“

Ein Experiment in Selbstwahrnehmung

Wie wäre es, wenn du ein persönliches Forschungsprojekt startest? Hier ist ein Vorschlag für ein „Protokoll“:

  1. Datensammlung: Notiere eine Woche lang deine negativen Selbstgespräche. Welche Muster erkennst du?
  2. Analyse: Untersuche diese Gedanken kritisch. Welche Beweise unterstützen oder widerlegen sie?
  3. Hypothesenbildung: Formuliere positive Alternativen. Wie könntest du die Situation aus einer Wachstumsperspektive betrachten?
  4. Experiment: Lebe eine Woche lang mit diesen neuen, positiven Formulierungen. Beobachte, wie sich deine Arbeit und dein Wohlbefinden verändern.
  5. Peer Review: Tausche dich mit vertrauenswürdigen Kolleg:innen aus. Oft sehen andere unsere Stärken klarer als wir selbst.

Von der Theorie zur Praxis

Denk daran: Genau wie in der Wissenschaft ist dies ein iterativer Prozess. Es geht nicht darum, über Nacht zum unerschütterlichen Optimisten zu werden. Vielmehr geht es darum, eine realistischere, konstruktivere Sicht auf dich selbst und deine Arbeit zu entwickeln.

Jedes Mal, wenn du ein Paper überarbeitest, einen neuen Versuch startest oder eine Hypothese neu formulierst, nimm dir einen Moment Zeit, um auch deine persönliche Geschichte zu überdenken. Welche Version deiner wissenschaftlichen Identität möchtest du in die Welt tragen?

Gemeinsam können wir an einer wissenschaftlichen Gemeinschaft arbeiten, in der wir nicht nur unsere Forschung, sondern auch uns selbst kontinuierlich weiterentwickeln und wertschätzen.

Wie gehst du mit Selbstzweifeln in deiner wissenschaftlichen Laufbahn um? Teile deine Gedanken und Erfahrungen in den Kommentaren. Lass uns voneinander lernen und gemeinsam wachsen.

Denk immer daran: Jeder Zweifel ist nur eine noch nicht bewiesene Hypothese über dich selbst. Und wer wäre besser geeignet, diese zu widerlegen, als du selbst?

 

Dies ist eine verkürzte und überarbeitete Version meines LinkedIn-Artikels „Von Selbstzweifeln zu Selbstbewusstsein: Die Kunst des Umschreibens“.

Den ursprünglichen Artikel findest Du hier.

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